Ästhetik im Kraftsport – Beugen mit B-Note

Diese Woche haben wir das Glück, dir hier auf Eisenhelden das erste Mal mit viel Freude einen Gastautor präsentieren zu können. Andy Leuckerts Schreibkunst konnten wir das erste Mal auf Team-Andro bewundern und waren sehr begeistert, als er sich dafür interessiert zeigte, zur Gemeinschaft der Eisenhelden beizutragen. Andy ist 24 Jahre alt, studiert Wirtschaftsingenieurwesen und setzt seine Leidenschaft für Kraftsport nicht nur in gestemmte Kilos, sondern auch in geschriebene Zeilen um. Als Auftakt beschäftigt er sich mit einem Thema, von dem Daniel und ich gedacht hätten, dass es eher nicht zu unserem Blog paßt: Ästhetik im Kraftsport. Aber die Art und Weise, wie er die Thematik angeht, hat uns eines besseren belehrt und uns überzeugt, dass auch du von seinen Ansichten sehr profitieren kannst.

Deshalb folgt jetzt von uns für dich: Andy!

Bei dieser Überschrift werden sich sicher einige Leser wundern. Was hat Kraftsport nur mit Ästhetik zu tun? Viele denken hierbei sicher an ein schönes Erscheinungsbild, an Kunstwerke oder Musik und Tanz.

Ästhetik kommt dabei aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Wahrnehmung. Unter diesem Begriff werden Lehren zusammengefasst, welche sich damit beschäftigen, wie der Mensch etwas wahrnimmt bzw. was als schön, harmonisch oder passend wahrgenommen wird.

Unser Empfinden für Schönheit, Eleganz oder Harmonie können wir nur schwer beschreiben. Es ist ein inneres, persönliches Gefühl, welches einem Instinkt folgt. Wir können unserer Wahrnehmung nicht befehlen, dieses oder jenes schön zu finden. Möglicherweise ändert sich unser Erleben dahingehend im Laufe des Alters oder ist abhängig von der Situation, unserem Zustand u.Ä. Gleichwohl empfindet jedoch die Mehrheit der Menschen ähnlich.

Wie wäre es mit einem Beispiel?

Stellen Sie sich jetzt einen dicken Mann vor. Er sitzt vor dem Fernseher und schaut RTL2, isst Chips, die Schultern hängen nach vorne, er ist kurzatmig. Nun stellen Sie sich einen athletischen Sportler vor, aufrechte Haltung, ruhige, tiefe Atmung. Welches Erscheinungsbild empfinden Sie als ästhetisch?

Ich denke der Zusammenhang wird langsam deutlicher.

Die Natur hat uns mit dem Empfinden für Ästhetik ein Gefühl für Gesundheit und Harmonie in die Wiege gelegt.

Wir müssen das nicht lernen. Wir können eine schöne, rote Tomate von einer alten, schwarzen unterscheiden. Das graue Mikrowellenessen erfreut das Auge genau so wenig wie den Magen. Wir erkennen dadurch „richtige“ und „falsche“ Rhythmen in der Musik und können uns entsprechend dazu bewegen, wie auch unser Herz einem solchen Rhythmus folgt. Weicht das Herz von diesem (sehr weit) ab, dann bedeutet das nichts Gutes für uns.

Entdecke die Ästhetik in dir

Wir sollten diesem Gefühl mehr Vertrauen schenken. Noch mehr sollten wir uns von der eingangs angesprochenen Eingrenzung der Thematik auf Kunst u.Ä. abwenden und die Ästhetik im ganzen Leben suchen. Unsere Atmung sollte tief und voll, rhythmisch und dynamisch werden. Unser Essen sollte Schönheit und Gesundheit ausstrahlen. Die Sprache die wir nutzen, sei es im direkten Miteinander, in Chats oder am Telefon, sollte ihren Gesetzmäßigkeiten folgen. Unser Auftreten und unsere Haltung sollte stets unserem Bild des Ideals, einer ästhetischen Vorstellung angepasst werden.

Übertrage diese Erkenntnis auf den Kraftsport

Letztendlich sollte auch im Krafttraining diese Komponente beachtet werden. Vor allem bei komplexen Grundübungen wie Kniebeugen oder Kreuzheben haben viele Schwierigkeiten. Es gibt unzählige Anleitungen, Video-Tutorials usw. Wenn wir uns jedoch auf unseren Sinn von Ästhetik verlassen, wissen wir, wie eine korrekte tiefe Kniebeuge aussieht. Wer hat sie noch nicht gesehen: Wackelige Kniebeugen, der Rücken rundet ein, unstabil, keine Explosivität, nicht tief genug… Dann gibt es aber auch High-Bar Ass to Grass Kniebeuge, die technisch so schön sind, dass man gar nicht nach dem Gewicht fragt. Wir sehen auch im Turnen solche Bewegungen, die voller Eleganz erstrahlen. Wenn ein Ringturner im Kreuzhang verweilt, dann trägt das Kraft, Kontrolle und Schönheit in sich. Die Bewegung oder Haltung wirkt vollkommen. Die Muskeln sind alle aufeinander abgestimmt. Ein Gewichtheber ist ebenfalls auf diese Genauigkeit angewiesen. Nur wenn er sich nach dem „Explodieren der Hüfte“ direkt unter die Hantel bringt, millimetergenau positioniert, physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgend, dann wird er erfolgreich sein. Dabei folgt er keiner Mathematik sondern der Erfahrung, wie korrektes Reißen aussieht.

Ästhetische, schöne und kraftvolle Bewegungen

Diese Betrachtungsweise kann auch auf alle anderen Übungen im Krafttraining übertragen werden. Wenn wir versuchen Übungen ästhetisch auszuführen, werden wir diese achtsam ausführen. Damit verbessert sich zunehmend das Körpergefühl. Bei den komplexen Grundübungen werden wir damit sicherer trainieren, was sich wiederrum in weniger Verletzungen, längere Zyklen der Kraftsteigerung und damit Erfolg wiederspiegelt. Bei den „kleineren“ Übungen können wir vor allem von einem besseren Mind-Body-Link profitieren. Nach und nach kann dies auf alle Bewegungen im Alltag übertragen werden. Auf diese Weise können selbst einfach Tätigkeiten wie einen Wasser! -kasten hochheben zum Training werden. Mit der Zeit werden die Bewegungs- und Haltungsmuster immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Wir bewegen uns ästhetisch und korrekt. Hierbei werden muskuläre Dysbalancen abgebaut und unser Auftreten wird als stark, natürlich und aufrecht empfunden.

So werden wir unseren Ruf als Eisenhelden gerecht!

 

Andy Leuckert

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