Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes im Interview

In unserem Blog und auf Facebook sprechen wir oft von Leidenschaften. Das es egal ist, was deine Leidenschaft ist, so lange du damit zufrieden bist und alles gibst. Diese Einstellung spiegelt sich auch in unseren Interviews wieder. Kugelstoßer, Strongmen und jetzt ein MMA-Kämpfer.

Wir freuen uns sehr, mehr über die Leidenschaft von Andreas Kraniotakes erfahren zu dürfen. Aber zuerst, sei so nett und stell dich unseren Lesern vor.

Wer ist der Mensch Andreas Kraniotakes?

Hallo zusammen, mein Name ist Andreas Kraniotakes und ich bin professioneller Mixed Martial Arts Kämpfer. Mit knapp 30 Kämpfen, teilweise auf der ganzen Welt, gehöre ich zu den bekanntesten deutschen Vertretern meines Sports. Zudem darf ich den German Mixed Martial Arts Championship Gürtel mein Eigenen nennen, ebenso wie den Gladioator Fighting Championship Gürtel und bin derzeit auf Platz eins in meiner Gewichtsklasse gesetzt.

Dein Spitzname ist “Big Daddy”. – Wieso ?

Gute Spitznamen werden einem von Freunden und Familie gegeben. Und so war es auch bei mir. Ich bin immer für alle Leute da, habe ein offenes Ohr und eine Schulter, an der man sich ausweinen kann. Zudem bin ich nicht gerade ein kleiner Vertreter unserer Gattung. Und schon heißt man, wie ich heiße.

Woher kommt die Leidenschaft für deinen Sport? Wie und wann wurde sie geweckt? Was hat dich begeistert?

Eigentlich war ich in meiner Kindheit nicht besonders sportlich. Um genau zu sein, war ich eher klein und untersetzt. Keine der Sportarten, die andere Kinder so gemacht haben hat mich wirklich gefesselt und ich hatte auch kein Talent in diesen Bereichen. Schließlich hat mich ein Kumpel mal zum Judo mit genommen. Früh merkte ich, dass ich zwar in diesem Bereich auch kaum Talent hatte, aber dass es mir sehr viel Spaß machen würde, meine Zeit und Energie darin zu investieren ein besserer Kämpfer zu werden. Das intensive Training im Kampfsport kann einem ein Körpergefühl vermitteln, dass einzigartig ist. Endlich entwickelte sich auch der Rest von mir, wie ich mir das vorstellte. Meine Figur wurde sportlicher und ich gewann Selbstvertrauen. Gleichzeitig blieb ich jedoch auf dem Boden, denn wenn man kämpft, dann bekommt man regelmäßig gezeigt, dass es da draußen Leute gibt, die besser sind als man selbst. Als ich schließlich mit dem Kampfsport-Virus infiziert war, stellte ich mir ständig die Frage „was wäre wenn?“ Ich wollte wissen, wie man sich verhält wenn man über die Grenzen von einzelnen Sportarten hinaus geht. Wie ist es zu kämpfen, wenn man in allen Instanzen seine Waffen einsetzen darf. So bin ich schließlich beim MMA gelandet.

Hast du oder hattest du Vorbilder? Lieblingskämpfer? Wer hat dich inspiriert?

Zu der Zeit in der ich meine MMA-Karriere begann kannte ich noch nicht ein mal den Namen dieser Sportart. Geschweige denn irgendwelche Leute, die ich mir als Vorbilder hätte nehmen können. Meine ersten Idole waren natürlich die Darsteller aus Rocky und Blood Sport oder viel mehr die Charaktere, die diese verkörperten. Das Kämpferleben hat mich immer schon fasziniert. Aber ich hätte mir nie zu träumen gewagt, dass ich es eines Tages leben darf.

In unserem Sport kämpfen wir gegen uns selbst. Bei dir ist es anders, du hast deinen Gegner tatsächlich direkt vor dir. Du hörst und riechst ihn. Ihr steht euch beide direkt gegenüber und beide wissen, was auf sie zukommt. Was ist das für ein Gefühl?

Um ehrlich zu sein, kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass es in unserem Sport auch nicht anders ist. Einerseits sind wir ein Teamsport. Denn ohne die richtigen Trainer, Trainingspartner usw. kann niemand langfristig ein guter Kämpfer sein. Und natürlich ist da der Gegner. Aufgrund der Komplexität unseres Sports präsentiert jeder einzelne Kämpfer, den man vor sich hat eine neuartige Herausforderung. Denn jeder hat seine Stärken in bestimmten Feldern, macht besondere Bewegungen und Techniken und hat seinen eigenen Rhythmus. Aber am Ende des Tages kann man sein Gegenüber nur bezwingen, wenn man in der Lage ist gegen sich selbst zu gewinnen. Es ist dieser Kampf mit und gegen das eigene selbst, das letztlich über Sieg oder Niederlage entscheidet. In sofern sind unsere Sportarten vielleicht gar nicht so verschieden.

Erinnerst du dich, an deinen ersten MMA-Kampf?

Oh ja, das war ne wilde Sache. Wie gesagt kannte ich damals nicht ein mal den Namen des Sports. Ich hatte gehört, dass es da ein Turnier gibt bei dem man „alles darf“. Was sich im Nachhinein betrachtet natürlich als nicht richtig erwies. Denn wir hatten selbstverständlich auch damals schon Regeln, die uns Kämpfer schützten. Ich sah es als Abenteuer und versprach meiner Mutter, dass ich im Falle eines Sieges nie wieder kämpfen würde. Na ja, mit einem Blumenstrauß in der Hand bat ich nach der Veranstaltung darum mein Versprechen brechen zu dürfen. Ihre Antwort könnt Ihr Euch ja denken.

Wie sieht ein typischer Trainingstag bei dir aus?

Das hängt ganz stark davon ab, in welcher Phase ich mich befinde. Insbesondere der Abstand zu meinem nächsten Kampf ist entscheidend für die Frage was und wie trainiert wird. Aber ich versuche zehn bis zwölf Trainingseinheiten die Woche zu machen. Darunter sind klassische Ausdauer- und Krafteinheiten genauso wie Kampfsport spezifisches Training. Einen typischen Tag gibt es somit eigentlich nie. Das ist auch einer der Anreize in meinem Job. Es wird nie langweilig.

Welche Gewichtung hat das Krafttraining bei dir und in deinem Sport? Stichwort Rumpfstabilität.

Wie bei fast allen anderen Sportarten ist der Rumpf bei uns das Zentrum der Kraft und Bewegung. Demnach verbringen wir sehr viel Zeit darauf, diesen mit artfremden und artverwandten Übungen zu trainieren. Neben den Bewegungsabläufen, die direkt im Kampf verwendet werden können betreiben wir also einen nicht unerheblichen Aufwand, um unsere Rumpfmuskulatur auch abseits der Matte zu kräftigen. Als Schwergewicht haben Kraftübungen noch mal ein besonders Gewicht. Eine Zeit lange hatte ich mich zu sehr auf das Techniktraining konzentriert und den Kraft-Bereich vernachlässigt. Das stellte sich schließlich als keine gute Idee heraus.

Gibt es eine Lieblings-(Kraft)Übung?

Ich liebe alle Grundübungen. Kreuzheben und Kniebeugen sind aber wohl meine Favoriten.

Der Ruf von Mixed Martial Arts ist in Deutschland immer noch schwierig. Viele Menschen können damit nichts anfangen. Sie denken an Rocker, Gassenhauer und Typen denen man besser aus dem Weg geht. Wie siehst du das? Wie würdest du deinen Sport als kämpfender Pädagoge Außenstehenden beschreiben?

Eine relativ gute Möglichkeit Aussenstehenden unseren Sport vor Augen zu führen ist ihnen zu sagen, dass bei uns alles erlaubt ist, was in anderen Kampfsportarten auch erlaubt ist. Wir haben sozusagen alle möglichen Stile die es gibt gemischt und daraus einen neuen Sport geformt. Das führt zu einer Vielzahl von Möglichkeiten für den Kampfverlauf. Und somit sind wir einer der aufregendsten und unvorhersehbarsten Sportarten überhaupt. Wer sich ein Mal auf ihn eingelassen hat, der wird alles andere als eher langweilig empfinden. Natürlich verstehe ich die Vorbehalte. Die Tatsache, dass wir in Käfigen kämpfen schreckt logischer Weise zunächst ab. Ein Aussenstehender ahnt ja nicht, dass dies ausschließlich dem Schutz der Kämpfer dient, die bei klassischen Box-Ringen durch die Seile von der Mattenfläche fallen können. Da passieren die wildesten Verletzungen. Außerdem denken die meisten Menschen, dass man automatisch wehrlos ist, wenn man auf dem Boden liegt. Deshalb verstehen sie nicht, dass wir auch im Bodenkampf schlagen dürfen. Dass es durchaus möglich ist vom Rücken aus einen Kampf zu gewinnen, das überrascht die meisten. Aber um das heraus zu finden muss man sich natürlich erst ein Mal einen Kampf oder am besten eine Veranstaltung ansehen. Wer sein Urteil bildet, bevor er sich wirklich damit auseinander gesetzt hat und wilden Zusammenschnitten glaubt, dem ist leider nicht zu helfen.

Wir lernen am Eisen viele Lektionen für das Leben. Wie ist das in deinem Sport? Gibt es Lektionen aus deinem Sport, die du für dein Leben gelernt hast?

Wie weiter oben bereits gesagt, hat mir der Kampfsport geholfen meine Persönlichkeit zu entwickeln. Wer regelmäßig an seine Grenzen geht – seien diese physisch oder mental – bei dem ist meiner Erfahrung nach eine Entwicklung unvermeidlich. Diese Grenzerfahrungen erinnern uns ständig daran, dass nicht alles im Leben einfach geht. So entwickelt man auch eine Art Empathie und innere Ausgeglichenheit. Wer sich mal in einem Camp von professionellen Kämpfern wieder findet, der ist meist überrascht, wie ruhig und respektvoll es zugeht. Es war schon immer so, dass extreme Erfahrungen die menschen besonnener gemacht haben. Deshalb spreche ich Sport im allgemeinen ein großes Potential für eine positive Entwicklung zu.

Ich bringe Kampfsport oft mit asiatischen Einflüssen und Denkweisen in Verbindung. Woran glaubst du?

Ich glaube, dass Kampfsport eine Ausdrucksform des Menschen generell ist. Die Asiaten sind insbesondere durch das Leben und Schaffen von Bruce Lee dafür berühmt geworden. Aber letztlich gab es organisierte Trainings- oder Übungskämpfe überall auf der Welt auch bevor uns Karate und Co. gezeigt wurden. Falls Deine Frage auf meinen Glauben an ein übernatürliches Wesen gerichtet war, dann muss ich sagen, dass ich davon überzeugt bin jeder Mensch habe etwas göttliches in sich. Wir alle tragen das ganze Universum in uns und wir sind mit jedem Baum, jeder Schneeflocke und jedem Tier verbunden. Falls man mich einer der Weltreligionen zuordnen müsste, dann wäre ich wohl am ehesten Buddhist. Aber ich glaube, dass es nicht wichtig ist zu welchem Gott man betet. Denn jede Religion hat Werte entwickelt, die uns dazu anhalten gut und friedlich miteinander um zu gehen.

Welch(e)s Ziel(e) möchtest du unbedingt noch erreichen als Kampfsportler?

Ich möchte mein ganzes Potential entfalten. Selbst nach zehn Jahren in diesem Sport habe ich noch keine Ahnung, wo dieses liegt. Aber es heraus zu finden, darauf freue ich mich immer wieder auf ein Neues.

Was kannst du unseren Lesern mit auf dem Weg geben?

Lasst Euch von niemandem erzählen, dass Ihr etwas nicht könnt. Ganz besonders nicht von Euch selbst. Macht jeden Tag einen Menschen glücklich. Selbst wenn Ihr es selbst seid, den Ihr glücklich macht. Nein, besonders wenn Ihr es selbst seid den ihr glücklich macht.

Wir danken Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes für das Interview. Weitere Informationen gibt es auf seiner Website, seiner Facebook-Seite sowie seinem Instagram-Account.

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