3 Wege wie Ungeduld deinen Trainingserfolg zerstören kann

Eine großartige Analogie für den Eisensport stammt vom Kraft-Trainer Mike Boyle: Krafttraining ist wie Landwirtschaft: Du machst heute alle möglichen Kram in der Hoffnung, dass du irgendwann in der Zukunft, die Früchte deiner Arbeit ernten kannst: pflanzen, sähen, Schädlinge bekämpfen, Unkraut rupfen und irgendwann kommen die kleinen grünen Triebe durch. Wenns gut läuft. Und vielen ist das nicht schnell genug.

Ungeduld

Und im Drang die Ernte jetzt sofort einholen zu wollen, jetzt ganz schnell (und womöglich ohne Mühe) Erfolg haben zu wollen, verbauen sich viele angehende Kraftsportler ihre Chancen auf eine großartige sportliche Entwicklung. Zu viel, zu schnell ist anfangs ganz schön, bringt deinen Trainingsfortschritt aber auch genau so schnell brachial zum Halt. Auch fortgeschrittene Sportler und Studioathleten sind nicht gefeit davor, die Sache zu schnell anzugehen (und ich muss mir da an meine eigene Nase fassen).

Damit dir das aber nicht passsiert, habe ich die drei häufigsten Fehler, die durch Ungeduld verursacht werden, für dich zusammengestellt. So kannst du die sich einschleichende Ungeduld besser erkennen und rechtzeitg gegen steuern:

1. Zu hohe Erwartungen

Vielleicht ging es dir so wie mir: Ganz am Anfang meiner Begeisterung fürs Eisen hatte ich den Kopf voll von den Bildern und Geschichten der großen Bodybuilder der Vergangenheit und Gegenwart: Arnold und seine Kumpels setzen für mich genau so den Standard des Möglichen wie Flex Wheeler, Dorian Yates und Konsorten. Ich dachte: “Wenn ich ein bißchen trainiere, dann kann ich bis zum Sommer so aussehen!” Absurd, ich weiß.

Aber wir werden alle von Bildern und visuellen Medien geprägt. Die Muskeln der erfolgreichsten Bodybuilder und die Wettkampfleistungen der besten Kraftdreikämpfer und Strongman erscheinen uns beim ersten Betrachten als unglaublich. Aber nach ein paar Dutzend Rekord-Videos und Hochglanzbildern schleicht sich Normalität ein: Die Elite, die Großartigsten und Besten wirken auf einmal nur noch wie leicht erreichbarer Standard.

Es wird länger dauern

Aber damit belügst du dich selbst und legst den Grundstein für deinen Mißerfolg. Ich sage nicht, dass du keine großen Ziele haben sollst, ganz im Gegenteil, aber du musst dir klar sein, dass der Erfolg sich nicht einfach einstellt, nur weil du mal eben so beschlossen hast, ab jetzt ins Studio zu gehen. Und wenn es dann länger dauert, bis sich die ersten Ergebnisse zeigen oder du beginnst nach den ersten leichten Erfolgen mit deinem Fortschritt ins Stocken zu kommen, dann setzt die Demotivation ein. Du trainierst nicht mehr so oft, du machst noch weniger Fortschritte und im schlimmsten Falle hörst du ganz auf.

Im Krafttraining zählen Jahre

Du mußt dir über eins klar sein: Im Krafttraining dauert es, bis sich der Erfolg einstellt.

8 Wochen sind nichts. In einem Jahr kannst du viel erreichen. Aber erst wenn du ein paar Jahre ins Eisen investiert hast, hast du überhaupt eine Chance richtig Großes zu erreichen. Klar, wenn du es als Anfänger geschickt angehst, kannst du schnell Erfolge verbuchen und für lange Zeit linear steigenden Erfolg haben. Und mit unserer Eisenhelden-Grundausbildung geben wir dir eine idiotensichere Anleitung, wie du das hinbekommst. Aber auch dann wirst du schlechte Tage haben, wirst auf Leistungs-Plateaus feststecken und deinen Erwartungen nicht gerecht werden. Und das wird nur schlimmer je weiter fortgeschritten du bist.

Was du tun kannst

Deshalb stell dich von Anfang an auf eine lange Reise ein, wenn du wirklich was reißen willst. Nimm dir Großes vor, aber sei nicht enttäuscht, wenn es länger dauert. Bleib dran und habe Geduld. Es hilft, wenn du dir ein hohes Ziel steckst und dann viele Stationen auf dem Weg dahin definierst, die es dir erlauben, Etappensiege zu verbuchen und motiviert zu bleiben.

Außerdem kannst du dir mit einem regelmäßig geführten Trainingstagebuch deinen stetigen Erfolg in kleinen Schritte vor Augen führen: Wenn du nur die Ergebnisse der letzen paar Trainingseinheiten kennst, dann ist deine Motivation deinen tagesformabhängigen körperlichen Leistungen ausgeliefert. Mit einem Überblick über Monate und Jahre kannst du dir immer wieder bewußt machen, wie weit du schon gekommen bist, den Aufwärtstrent deiner Leistung erkennen und das Ziel im Auge behalten, wenn dich mal wieder die Ungeduld packt.

2. Zu viel Eisen

Ich bin mir sicher, du kennst das:

Egal was dein Trainingsplan sagt, egal wie viel Gewicht oder wie viel Wiederholungen vorgesehen sind, du versuchst noch einen drauf zu setzen, noch mehr Gewicht aufzulegen. Nur um dir zu beweisen, dass du es kannst.

Glaub mir, ich bin zwar über die Jahre besser geworden, mein Ego im Studio zu zurückzuhalten, aber ich kämpfe immer wieder mit der Versuchung noch eine Scheibe mehr aufzulegen, als eigentlich geplant war. Noch eine schwere Wiederholung mehr zu machen. Aber wenn du das machst, dann testest du deine Kraft.

Du solltest aber nicht ins Studio gehen, um herauszufinden wie stark du bist. Du solltest trainieren um stärker zu werden. Training am Limit deiner Kraftleistung macht dich auf dauer kaputt. Man kann oft und viel mit sehr schweren Gewichten trainieren. Aber nicht, wenn man bis zum Anschlag geht. Das macht dich kaputt.

Jeder Schritt zählt

Mehr Scheiben auf der Hantel geben dir im ersten Moment das Gefühl, dass es voran geht, dass du stärker wirst. Ein große Anstrengung, die dich weit nach vorne bringt. Aber so funktioniert Krafttraining leider nicht. Du musst einen Schritt nach dem anderen gehen, dich Stück für Stück vorwärst kämpfen. Du mußt deinen Körper so stark belasten, dass er sich wieder erholen kann und dann an die Last anpassen kann, aber nicht mehr. Wenn die Belastung zu hoch ist, dauert es zu lange bis sich dein Körper erholt und du wirst effektiv in deinem Fortschritt zurückgeworfen.

Was du tun kannst

Plane alle paar Monate einen „Wettkampftag“ ein. Einfach einen Tag in der Woche an dem du dich austobst und testest wie stark du bist. Am besten im Wettstreit mit ein paar Kumpels. Gib alles und finde raus wo du stehst. Und dann gehst du wieder zu deinem normalen Training zurück mit dem Selbstvertrauen in deine eigene Leistung. Aber noch wichtiger ist folgendes: Such dir ein Programm, dass dir klare Vorgaben macht, wann, wie, was zu tun ist (oder leg es selbst vor jeder Trainingseinheit fest) und schreib es auf und nimm diesen Zettel mit ins Studio. Und dann machst du was auf dem verdammten Zettel steht. Und nichts anderes. Benutz dein Hirn vor dem Training und finde die richtigen Übungen, Wiederholungen und Sätze. Und dann im Studio machst du dein Gehirn aus, schaltest auf stur und ziehst dein Training durch. Fertig.

3. Zu viele Trainingspläne

Das ist eines meiner Lieblingsthemen – wahrscheinlich, weil ich mich so ärgere, dass ich selbst so oft meiner Ungeduld nachgeben, und diesen Fehler immer wieder gemacht habe:

In den Bodybuilding- und Kraftsportforen findet man immer wieder Typen die Sprüche wie diesen hier ablassen:”Ich hab das Programm “YXZ” (setze hier meist irgend ein bewährtes, aber oft nicht so spektakulärs Trainingsprogramm ein) gemacht. Hat nichts gebracht, ist total scheiße. Probiere jetzt mal “ABC” (=irgend ein völlig anderes Trainingsprogramm).” Auf die Frage, wie lange derjenige mit dem besagten Plan Erfahrungen gesammelt hat, um beurteilen zu können, das er ihm nichts gebracht hat, kommt als Antwort meist so was wie “Ganze 3 Wochen!” Da könnt ich ausrasten!

Häschen hüpf

Manchmal hab ich den Eindruck, dass es einen haufen Pumper da draußen gibt, die im Bezug auf Trainingspläne eine sehr schlimme Form von Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom haben. Die können scheinbar kein Programm mal so durchziehen, wie es beschrieben wurde (da wird hier ne Übung rausgenommen und da ein paar Sätze ergänzt), geschweige denn, dass sie mal nach einem Programm für einen signifikanten Zeitraum trainieren könnten.

Und nur um es deutlich zu machen: 3 Wochen sind nicht signifikant!

Wer so ungeduldig von einem Trainingsplan zum nächsten springt, weil es ihm zu langweilig wird oder weil er glaubt dem nächsten Trend hinterher hecheln zu müssen, kommt am Ende nirgends wo hin.

Training ist ein Prozess von dort wo du jetzt bist, hin zu dem Punkt an den du möchtest. Und die Schritte dazwischen müssen auf einander aufbauen. Wenn du dauernd zwischen verschiedenen Trainingsplänen springst, geht das nicht.

Was du tun kannst

Bleib also bei einem Trainingsplan. Für Monate. So einfach ist das. Der Plan mag nicht perfekt sein (was eh kein Trainingsprogramm ist), aber mit Beständigkeit kannst du die meisten Fehler ausbügeln. Oder was glaubst du wer am Ende größere Fortschritte macht? Derjenige, der die neusten, aktuellsten und aufwendigsten Traingspläne, die veröffentlicht werden, ausprobiert und immer versucht jede neue Mode mit zu machen, immer auf der Suche nach dem besten Program aller Zeiten. Oder derjenige, der über Monate und vielleicht sogar Jahre mit ein paar schweren Grundübungen einem simplen Trainingsplan folgt, keine Trainingseinheit ausfallen läßt und jeden Satz bis zum Ende durchzieht?

Fazit: Dranbleiben lohnt sich

Wenn du diese drei Fehler vermeidest, dann kann mit deinem Training nicht mehr viel schief gehen. Denn Krafttraining ist zum Glück nicht kompliziert: schwere Grundübungen, regelmäßig trainieren, deine Leistung und dein Training kritisch beurteilen, durchhalten und viel Geduld haben.

Hau rein,
Max.

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